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Warum Ölfarben?

  • Autorenbild: Gregor Wisniewski
    Gregor Wisniewski
  • 23. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Ein wilder Haufen und beim eigentlichen malen wird es oft noch chaotischer.

Ölfarben sind kein einfaches Medium. Und ehrlich gesagt: Sie sollen es auch gar nicht sein. Wer damit arbeitet, entscheidet sich bewusst für einen Weg, der mehr Geduld, mehr Vorbereitung und mehr Hingabe verlangt als viele moderne Alternativen. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – sind Ölfarben für meine Sci-Fi-Gemälde das perfekte Werkzeug.



Die Trocknungszeiten: Fluch und Segen zugleich


Einer der größten Stolpersteine beim Arbeiten mit Öl ist ohne Frage die lange Trocknungszeit. Eine Schicht braucht Tage, manchmal Wochen, bis sie wirklich durchgehärtet ist. Was für viele ein K.-o.-Kriterium wäre, ist für mich ein elementarer Bestandteil des kreativen Prozesses. Die langsame Trocknung zwingt mich dazu, Schritte vorauszuplanen, anstatt halsüber Kopf weiterzumalen. Sie schenkt mir Zeit – Zeit zum Hinsehen, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Entscheiden, wohin sich das Bild entwickeln soll. In einem Genre wie Sci-Fi, das von Atmosphäre, Tiefe und stimmigen Lichtsituationen lebt, ist diese planvolle Ruhe unbezahlbar.



Die Offenzeit: Herausforderung und Möglichkeit


Die lange Offenzeit der Farben kann Nerven kosten. Manchmal möchte man schnell weiterarbeiten, aber die Farbe rührt sich schon bei der kleinsten Berührung. Und dennoch: Genau diese Offenheit erlaubt es mir, Übergänge zu gestalten, die mit kaum einem anderen Medium möglich wären.Glatte weiche Verläufe, subtile Lichtkanten, diffuses Leuchten – Ölfarbe lässt sich schieben, verblenden, modellieren. Sie reagiert beinahe wie ein lebendiges Material. Für Science-Fiction-Szenen, in denen Licht eine zentrale Rolle spielt – von kalten Sternennebeln bis zu phosphoreszierenden Tiefsee-Abyssen – sind solche Möglichkeiten schlicht unschlagbar.


Das Pinselreinigen: lästig, aber Teil des Rituals


Ja, Pinselreinigen ist ein Graus. Terpentin, Reinigungsöle, wieder und wieder auswischen – es ist alles andere als romantisch. Aber auch das ist ein Teil des Handwerks. Während andere Medien nach Wasser verlangen und fertig sind, erfordern Ölfarben eine gewisse Hingabe. Diese Entschleunigung ist fast meditativ. Sie schafft Distanz zwischen den Malphasen und zwingt mich, bewusst abzuschließen, bevor ich weitermache. Und am Ende lohnt es sich: Gut gepflegte Pinsel arbeiten in Öl wie ein verlängerter Arm.



Freiheit durch verschiedene Malmittel


Malmittel sollte man vorausschauend einsetzen um nicht eine magere Schicht auf eine fette zu legen.

Ein weiterer Vorteil, der viel zu selten erwähnt wird: Ölfarben sind unglaublich flexibel, was Zusätze und Medien betrifft. Von klassischen Ölen wie Schmincke-Malmitteln bis hin zu simplen, völlig alltäglichen Varianten wie Walnussöl – alles lässt sich anpassen, mischen, variieren. Walnussöl macht die Farbe zum Beispiel besonders geschmeidig und erlaubt einen seidenweichen Auftrag. Das Malmedium Mussini 1 wiederum zieht schnell ein und ein Lasurmedium zäh wie Honig ermöglicht sehr weiche Lasuren. Diese Vielfalt verleiht jedem Bild einen individuellen Charakter und lässt mich den technischen Stil dem jeweiligen Motiv anpassen.


Farben, die ihren Charakter behalten


Was mich immer wieder von Öl überzeugt, ist die Beständigkeit der Farben. Während Acryl beim Trocknen oft dunkler wird und digitale Kunst nur Lichtsimulation ist, behalten Ölfarben ihre Tiefe. Sie trocknen nicht „tot“, sie behalten ihren Glanz, ihre Brillanz, ihre Persönlichkeit. Besonders in Sci-Fi-Gemälden, in denen Farbakzente eine entscheidende dramaturgische Rolle spielen, ist das ein enormer Vorteil.



Nacharbeiten, solange es nötig ist


Ein weiterer Segen der langsamen Trocknung: Ich kann nachträglich korrigieren, verfeinern, verschieben. Sollte ein Lichtstrahl nicht sitzen oder eine Atmosphäre mehr Nebel benötigen, kann ich auch Tage später noch eingreifen. Ölfarbe gibt mir ein Fenster, in dem das Bild noch formbar ist – und das ist für komplexe Sci-Fi-Kompositionen Gold wert.



Fazit: Öl ist kein bequemes Medium – aber es ist das ehrlichste


Ölfarben verlangen Geduld und Disziplin. Sie sind unpraktisch, langsam und manchmal frustrierend. Aber sie schenken mir etwas, was kein anderes Medium in dieser Form bietet: Tiefe. Atmosphäre. Kontrolle. Und ein kreatives Tempo, das meine Sci-Fi-Welten erst wirklich atmen lässt.

Trotz aller Widrigkeiten – oder vielleicht gerade wegen ihnen – ist Öl für mich nicht nur ein Medium. Es ist ein Partner. Und Sci-Fi-Kunst ist mit diesem Partner einfach stärker.

Ein Großteil meiner Palette besteht aus den Mussini-Farben von Schmincke. Nicht, weil ich Markenfetischist wäre, sondern weil sie sich in meiner Praxis einfach bewährt haben. Diese Farben sind extrem hochpigmentiert – oft reicht wirklich eine winzige Menge, um ganze Bereiche zu gestalten. Besonders faszinierend finde ich, dass sie nicht einfach nur kräftig sind, sondern regelrecht leuchten, als würden sie von innen heraus strahlen. Das ist für Sci-Fi-Motive, in denen Atmosphäre, Licht und fremde Energieformen eine so große Rolle spielen, ein echter Vorteil. Außerdem behalten die Farben beim Trocknen erstaunlich treu ihren Charakter, ohne stumpf oder matt zu werden. Es sind kleine Dinge, die man erst nach vielen Bildern wirklich wahrnimmt – aber genau diese Feinheiten machen sie für meine Arbeitsweise so zuverlässig.


Ein Großteil meiner Palette besteht aus den Mussini-Farben von Schmincke. Nicht, weil ich Markenfetischist wäre, sondern weil sie sich in meiner Praxis einfach bewährt haben. Diese Farben sind extrem hochpigmentiert – oft reicht wirklich eine winzige Menge, um ganze Bereiche zu gestalten. Besonders faszinierend finde ich, dass sie nicht einfach nur kräftig sind, sondern regelrecht leuchten, als würden sie von innen heraus strahlen. Das ist für Sci-Fi-Motive, in denen Atmosphäre, Licht und fremde Energieformen eine so große Rolle spielen, ein echter Vorteil. Außerdem behalten die Farben beim Trocknen erstaunlich treu ihren Charakter, ohne stumpf oder matt zu werden. Es sind kleine Dinge, die man erst nach vielen Bildern wirklich wahrnimmt – aber genau diese Feinheiten machen sie für meine Arbeitsweise so zuverlässig.

 
 
 

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